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Bandstruktur
Energiebandstruktur. Darstellung der quanti tatixen Energieabhängigkeit der freien Elektronen bzw. Defektelektronen im (reziproken) Gitter eines r Halbleiters. Anders als beim Bändermodell werden in der B. die erlaubten und verbotenen Energiebänder in ihrer komplizierten Abhängigkeit vom Kristallgitter dargestellt, wobei nicht die direkte Ortsabhängigkeit (Gittervektor a), sondern deren Reziprokwert zugrunde gelegt wird; dieser entspricht dem quantenmechanischen Impuls der Elektronen k.
Die Energieachse verläuft dabei durch den Impulswert k= 0. Wie aus der B. ersichtlich, besteht in Wirklichkeit jedes Energieband aus einzelnen Teilbändern mit Maxima und Minima. Von besonderer Bedeutung für die Emission von Strahlung ist der in der Zonenmitte gelegene Bandübergang. Die B. ist zur Charakterisierung eines Halbleiters außerordentlich wichtig, da sich daraus zahlreiche Eigenschaften wie Ladungsträgerbeweglichkeit, energetische Verteilung der Ladungsträger, Bandabstand £g usw., aber auch der Verlauf grundlegender Elementarprozesse ableiten lassen. Das Bändermodell wird durch die B. begründet und stellt eine starke Vereinfachung der Halbleiter-B. dar.
das
Energiespektrum der Elektronen im idealen Kristall. Es kann vor allem bei
Halbleitern und Isolatoren durch Störstellen wesentlich beeinflusst werden. Die
elektronische Struktur eines Materials ist eine Schlüsselgrösse für die
theoretische Beschreibung der Eigenschaften des Festkörpers.
Da ein Festkörper ein Vielteilchensystem von
grössenordnungsmässig 1024
Teilchen/cm3
ist, kann die Wellenfunktion aller Elektronen nicht mehr berechnet werden. Man
kann aber die Bewegung eines einzelnen Elektrons angenähert beschreiben, indem
man ein gemitteltes Potential annimmt, bei dem das periodische Potential der
Atomrümpfe und der anderen Elektronen berücksichtigt werden. Gemäss dem Bloch-Theorem
kann die Wellenfunktion eines Elektrons im periodischen Kristallpotential durch
eine Bloch-Welle beschrieben werden, das ist eine ebene Welle eiKr,
die durch eine periodische Funktion, die Bloch-Funktion uK(r), moduliert ist (Abb. 1), wobei K
der Wellenzahlvektor ist.
Die Periodizität des Gitters führt zur Ausbildung von
erlaubten und verbotenen Energiebereichen, den Energiebändern und
Energielücken. Anschaulich kann man die Entstehung dieser Bandstruktur so
verstehen:
Die Energie des freien Elektrons als Funktion des
Wellenzahlvektors ist eine Parabel und kann einen beliebigen Wert annehmen. In
einem Kristall besteht jedoch der Zusammenhang E(K)
~ K2 nicht, sondern es treten Unstetigkeiten an den Stellen K
~ np
auf, wobei n
= 1, 2, 3, ... der sog. Bandindex ist. Diese Unstetigkeiten lassen sich
anschaulich so verstehen, dass Bragg-Reflexion an den Rändern der
Brillouin-Zonen stattfindet, so dass sich stehende Wellen ausbilden, bei denen
die Dichte der Elektronen an den positiven Atomrümpfen entweder überhöht oder
erniedrigt ist, wobei die Erhöhung der Dichte energetisch günstiger ist als die
Erniedrigung. Dadurch wird die Energieparabel am Rand einer Brillouin-Zone
aufgespalten, und es entsteht an dieser Stelle eine Energielücke (Bandlücke),
die um so breiter ist, je grösser der Einfluss des Kristallpotentials ist.
Zur graphischen Verdeutlichung der Bandstruktur trägt man
üblicherweise E(K) über einer bestimmten K-Richtung (Abb. 2) auf. Dabei stellt man über der
ersten Brillouin-Zone das tiefste Valenzband, über der zweiten Brillouin-Zone
das nächste Band usw. dar. Dies führt zum sog. ausgebreitetenen Zonenschema.
Es lässt sich nun zeigen, dass man zur vollständigen
Charakterisierung der Energiezustände (man spricht auch von den
Bloch-Zuständen) die Wellenzahlvektoren auf die erste Brillouin-Zone
beschränken kann. Sei k der Wellenzahlvektor in
der ersten Brillouin-Zone und K allgemein ein
Vektor ausserhalb dieser Zone, so gibt es wegen der Translationssymmetrie des
reziproken Gitters immer einen reziproken Gittervektor l g (l = 0,
±
1, ± 2, ...), der K auf die erste Brillouin-Zone reduziert, d.h. dem
Vektor K durch Addition einen Vektor k im Innern der ersten Brillouin-Zone zuordnet:
k = K -
l g, K
= k + l g.
k heisst der reduzierte
Wellenzahlvektor zum freien Wellenzahlvektor K.
Die Reduktion aller Vektoren K bedeutet
geometrisch die Verschiebung der höheren Brillouin-Zonen über die erste
Brillouin-Zone (vgl. Abb. 2). Das sich ergebende Schema wird reduziertes Zonenschema
genannt. Die Energie E(K) lässt sich dann
als Funktion des reduzierten Wellenzahlvektors und des Bandindex n
angeben, also als En(k),
wobei der Bandindex n eine ganzzahlige Laufnummer ist (n
= 1,2,...) und über n/2 = ± l
mit dem oben eingeführten Parameter l zusammenhängt. Zusammenfassend
kann gesagt werden, dass der Wellenzahlvektor eines Bloch-Zustandes nur bis auf
Vielfache des reziproken Gittervektors definiert ist, d.h. alle
Wellenzahlvektoren K = k(mod
g) sind in diesem Sinne äquivalent. Durch die
Reduktion aller dieser Vektoren auf einen Repräsentanten in der ersten
Brillouin-Zone wird eine eindeutige Angabe des Wellenzahlvektors und der
Bloch-Zustände erreicht. Darin liegt die wesentliche Bedeutung der Reduktion.
Geht man umgekehrt vom reduzierten Zonenschema aus und
transformiert innerhalb der einzelnen Bänder von den reduzierten
Wellenzahlvektoren k auf beliebige äquivalente
Wellenzahlvektoren k ¢ = k + l ¢
g, so entsteht quasi durch "Mitnahme der
Energien" das sog. periodisch wiederholte Zonenschema.
Zur Berechnung der Bandstruktur existieren unterschiedliche
Methoden, die möglichst selbstkonsistente Rechnungen sein sollten. Um zu viele
Näherungen und hohen Rechenaufwand zu vermeiden, nutzt man oft empirische
Methoden, z.B. die empirische Pseudopotentialmethode, die die Bandstruktur an
experimentelle Daten anpasst. Schliesslich sind Methoden entwickelt worden, die
von einem gewählten Kristallpotential ausgehen und die Schrödinger-Gleichung
mit diesem nunmehr bekannten Potential lösen (OPW-Methode, LCAO-Methode, APW-Methode,
KKR-Methode, Atomorbital). Diese zuletzt genannten Methoden sind vorwiegend für
Metalle benutzt worden. Um den numerischen Rechenaufwand zu verringern, werden
bei den Rechnungen die Symmetrieeigenschaften der Bloch-Funktionen weitgehend
ausgenutzt.
Die Bandstruktur beschreibt nur das Einelektronenspektrum des
Festkörpers. Mehrteilchenanregungen, wie Exzitonen und Plasmonen, sind in
diesem Modell nicht enthalten. In moderner Auffassung erfasst die Bandstruktur
aber weit mehr als das Energiespektrum in einem Modell unabhängiger Elektronen,
sie ist also insbesondere nicht an die Konzeption des Hartree- bzw.
Hartree-Fock-Verfahrens gebunden. Das von Landau entwickelte Konzept der
Quasiteilchen erlaubt, das Einelektronenspektrum als Spektrum entsprechender
Elementaranregungen des elektronischen Vielteilchensystems zu interpretieren
und liefert so eine theoretische Basis für den Erfolg des
Einelektronenkonzepts. Der Formalismus der Dichtefunktionaltheorie vertieft die
theoretische Basis für die Berechnung der Bandstruktur, insbesondere führt er
auf ein Kristallpotential, bei dessen Konstruktion die von der
elektrostatischen Abstossung des Elektrons bewirkten Korrelationseffekte
berücksichtigt werden.

Bandstruktur 1: a) Schematische Darstellung des
Kristallpotentials V(r); b) Die Wellenfunktion Yk(r) für das Elektron (Bloch-Welle) setzt sich aus
zwei Anteilen zusammen, einem Anteil c), der mit dem Gitter periodisch ist, dem
Bloch-Faktor uk(r), und d) einer
ebenen Welle eikr.

Bandstruktur 2: Energiebänder in ausgebreitetem und
reduziertem Zonenschema.
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