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Fernrohr
Optik, Teleskop, optisches
Instrument, mit dem entfernte Objekte so abgebildet werden, dass sie unter einem
grösserem Sehwinkel w erscheinen und dem Auge ein helleres und
vergrössertes Bild zugeführt wird. Im herkömmlichen Sinn versteht man unter
einem Fernrohr eine afokale Spiegel- oder Spiegellinsenkombination. Alle
Fernrohre sind aus mindestens zwei optischen Komponenten, dem Objektiv und dem
Okular, aufgebaut, wobei der bildseitige Brennpunkt des Objektives mit dem
objektseitigen Brennpunkt des Okulars zusammenfällt. Das langbrennweitige
Objektiv hat immer sammelnde Wirkung, während das Okular, das als Lupe wirkt
und das vom Objektiv erzeugte reelle Bild vergrössert, sammelnd oder zerstreuend
sein kann. Um sphärische und chromatische Abbildungsfehler zu minimieren,
bestehen die beiden Komponenten aus mehreren Einzelteilen. Allgemein
unterscheidet man zwischen Linsenfernrohren (Refraktoren) und den
ausschliesslich in der Astronomie benutzten Spiegelfernrohren (Reflektoren).
Zu den Linsenfernrohren gehören das Galileische
(holländische), das Keplersche (astronomische) und das terrestrische Fernrohr
(Abb. 1). Das nach Galilei benannte, aber von H. Lippershey erfundene Fernrohr
besteht aus einer Objektivsammellinse der Brennweite f1 und einer
Okularzerstreuungslinse der Brennweite f2. Der Abstand l zwischen Objektiv und Okular ist durch f1
- f2 gegeben. Das erzeugte Bild ist aufrecht und
seitenrichtig. Beim Keplerschen Fernrohr (Abb. 1b) bestehen Objektiv und Okular
aus einer langbrennweitigen bzw. kurzbrennweitigen Sammellinse im Abstand l = f1 + f2. Das Bild ist reell und umgekehrt, was bei der
astronomischen Anwendung unproblematisch ist. Zur Aufrichtung des Bildes wird
zwischen Objektiv und Okular eine zusätzliche Linse der Brennweite f3
gestellt; man erhält so ein terrestrisches Fernrohr der Länge l = f1 + 4 f2 + f3. Im binokularen Fernrohr
(Fernglas) benutzt man Prismen zur Bildaufrichtung, was zu einer wesentlich
kürzeren Baulänge führt. Im Vergleich zum Galileischen Fernrohr erscheint beim
Keplerschen Fernrohr das Gesichtsfeld erheblich vergrössert.
Spiegelfernrohre bestehen aus einem Hohlspiegel als Objektiv,
der ein reelles, umgekehrtes und verkleinertes Bild erzeugt, das mit der
Okularlupe betrachtet wird. Ihr Vorteil liegt darin, dass Spiegel im Gegensatz
zu Linsen keine Farbfehler aufweisen. Je nach Okularanordnung im Strahlengang unterscheidet
man zwischen dem nach Cassegrain, Gregory, Newton und Schmidt benanntem
Fernrohr (Abb. 2). Beim Gregory-Fernrohr werden die durch den Hohlspiegel H
erzeugten Strahlen durch einen zweiten kleinen Konkavhohlspiegel S in der
Öffnung des Hohlspiegels im Bildpunkt B vereinigt und dieser mit dem Okular O
betrachtet. Beim Cassegrain-Fernrohr wird der Konkavhohlspiegel durch einen
konvex geformten ersetzt. Bei den Anordnungen nach Newton und Schmidt vermeidet
man das Durchbohren des Hohlspiegels H. Beim Newtonschen Fernrohr werden die
vom Hohlspiegel kommenden Strahlen über einen Planspiegel seitlich abgelenkt,
der so entstehende Bildpunkt wird über das Okular betrachtet. Das
Schmidt-Fernrohr hat eine Korrektionsplatte K, die es ermöglicht, die sphärischen
Abbildungsfehler bei Spiegeln mit grossem Durchmesser zu korrigieren. Der
Querschnitt der Platte, die im Krümmungsmittelpunkt der Spiegelfläche steht,
muss so gestaltet sein, dass die Schnittweite der Randstrahlen im Vergleich zu
der der Zentralstrahlen relativ vergrössert wird. Dadurch wird der Hohlspiegel
in seiner Wirkungsweise dem Parabolspiegel angeglichen.
Ohne Fernrohr erscheint das Objekt dem Betrachter unter dem
Sehwinkel w1 und mit Fernrohr unter
dem Sehwinkel w. Die Vergrösserung G durch das Fernrohr
ist gegeben durch das Verhältnis tan w / tan w1 und ist gleich dem
Quotienten aus Objektivbrennweite f1 und Okularbrennweite f2.
Die Vergrösserung ist damit unabhängig vom Objekt- bzw. Bildort. Die
Tiefenschärfe verkleinert sich um w2 .
Das Auflösungsvermögen A = 0,82 D / l (D Objektivdurchmesser, l
Wellenlänge) ist im wesentlichen durch die Beugung und die Abbildungsfehler der
optischen Komponenten bestimmt. [KB2]
Fernrohr 1: Strahlenverlauf im Fernrohr nach a) Galilei und b)
Kepler.

Fernrohr 2: Spiegelteleskop nach a) Gregory, b) Cassegrain, c)
Newton und d) Schmidt.
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