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Naturalismus

Die sichtbare Umwelt naturalistisch, also naturgetreu bzw. realistisch abzubilden, ist eine medienspezifische Eigenschaft der Fotografie. Als sie 1826 erfunden wurde, hat man dies als ihren großen Vorzug erkannt und in vielen Schriften dargelegt. Fotografie stellte im Bereich der präzisen Wiedergabe der äußeren Erscheinung der Dinge alles in den Schatten, was bis dahin mit den Mitteln bildender Kunst möglich war. Doch dieser Vorzug wurde den Fotografen in dem Augenblick zum Verhängnis, als sie versuchten, gemalte Bilder durch Fotos zu ersetzen. Denn was die Kunstwissenschaft bei Malern als selbstverständliche Aufgabe sah, Natur und Realität in eine die Wirklichkeit verändernde, formal variierte, in eine »geistige Wirklichkeit« zu transponieren, das verwehrte man den Fotografen. Aus der Diskrepanz künstlerischer Bewertung der Malerei einerseits und der Fotografie andererseits entspann sich die aus heutiger Sicht überflüssige Auseinandersetzung um die Bewertung der Fotografie als Kunst. Sie hat gegenwärtig, da sich Maler im Fotografischen Realismus und in anderen Stilrichtungen der bildenden Kunst zur Interpretation der spezifisch fotografischen Wirklichkeit im Sinne eines ungeschminkten Realismus bekennen, die Phase der Aussöhnung zwischen beiden Auffassungen eingeleitet. Deshalb scheint der fotografische Realismus, der ja im Grunde zu keiner Zeit als künstlerische Stilrichtung definiert wurde, sondern lediglich das Streben nach einer wie immer gearteten Wirklichkeitsfin-dung zum Ausdruck brachte, im Bereich der bildenden Künste die längst fällige Anerkennung und Einordnung gefunden zu haben.

 

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Natterer Johann
Naturgesetze

 

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