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Realismus

Es bedürfte einer philosophischen Abhandlung, um zu klären, was Realismus in der Bildsprache der Fotografen bedeutet. Vordergründig sollte man meinen, daß die reale Wirklichkeitsdarstellung die spezifische Ureigenschaft der Fotografie ist. Realismus in der Bildaussage erscheint - und das nicht nur in der Fotografie - so vielschichtig wie umstritten. Primär geht es um die Darstellung des Wirklichen, aber nicht immer um »nackte« Wirklichkeit. Dies resultiert allein schon aus dem Unterschied von Kunstrichtungen, die in ihrer Bezeichnung den Begriff Realismus enthalten: Surrealismus, Neuer Realismus, Magischer Realismus, Sozialer bzw. Kapitalistischer Realismus, Fotografischer Realismus, Hyperrealismus. Auch die Neue Sachlichkeit pflegte den »gegenstandsgerechten Realismus«. Einmal schließt Realismus Verfremdungstechniken, die Wiedergabe von Illusionsvorstellungen aus, ein andermal bezieht er die Darstellung von »realen« Traumvorstellungen und die Phantasie als Realität mit ein. Deutlich sichtbar wird diese Diskrepanz in dem, was sich als Realismus der »Neuen Sachlichkeit« in den Bildern eines Otto Dix (i891-1969) oder George Grosz (1893-1953) einerseits zeigte und in den Fotografien eines Albert Renger-Patzsch (1897-1966) oder Karl Blossfeldt (1865 bis 1932) andererseits. Im ersten Fall bezieht er sich auf die sozialkritische Analyse gesellschaftlicher Zustände in teils karikaturhafter Überzeichnung der Wirklichkeit, im zweiten Fall erstrebt er die getreue Darstellung der Natur, die jegliche subjektive »Ansicht« der Fotografen ausschließt. Noch deutlicher wird der Dissens der Anschauungen in dem, was heute als • Fotografischer Realismus präsentiert wird. Die hyperrealistische Darstellung eines 3 Meter hohen Porträts bewirkt in der Überdimensionierung eine Uberzeidinung der Wirklichkeit, die sich bereits weit entfernt hat von einer dem Menschen sichtbaren Realität. Aus all den Widersprüchlichkeiten läßt sich folgern, daß Realismus im Abbild, wie immer er sich optisch darbietet, vor allem darin liegt, daß eine reale Erscheinung der Ausgangspunkt ist - und zwar für verschiedenerlei Wegrichtungen. Erwähnt sei noch eine gelegentlich vertretene Auffassung von der Abgrenzung des Realismus in der Fotografie gegen den Naturalismus. Danach habe der Realismus sozialkritische Bezüge, der Naturalismus hingegen nicht.

 

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