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Atomstrahl
Teilchenstrahl aus neutralen Atomen. Atomstrahlen werden hauptsächlich zur
Durchführung atomarer Streuexperimente benötigt. Es gibt verschiedene Methoden
zur Erzeugung eines Atomstrahles. Sie beeinflussen die Qualität des
Atomstrahles, d.h. Energieverteilung und Divergenz, sowie die Strahlintensität,
also Grössen, die kritisch hinsichtlich der Durchführbarkeit eines Experimentes
sind.
Der einfachste Aufbau zur Erzeugung eines Atomstrahles besteht
aus einer Düse, durch die ein Gas in eine Kammer mit geringerem Druck
eingelassen wird. Blenden und/oder Skimmer hinter der Düse definieren den
Öffnungswinkel des Strahles. Dies erfordert allerdings, dass die gewünschten
Teilchen gasförmig vorliegen. Edelgase und einige Moleküle (H2, CO2 etc.) sind bei
Raumtemperatur in der Gasphase und können direkt aus der Gasflasche heraus
eingesetzt werden. Feststoffe wie z.B. Alkalimetalle (Li, Na) müssen in einem
Ofen erhitzt und erst in die Gasphase überführt werden.
Teilchenstrahlen, die der Maxwellschen
Geschwindigkeitsverteilung unterliegen, deren Energie also von der Temperatur
des Gases in der Quelle abhängen, werden als effusive Strahlen bezeichnet.
Ein kälterer Atomstrahl, ein sog. Überschalljet, in dem die
Teilchen in ihrem Ruhesystem eine viel schmalere Energieverteilung als im
effusiven Strahl haben, lässt sich durch eine Überschallexpansion erzeugen.
Hierfür wird, wie oben beschrieben, das Gas aus einem Reservoir mit dem Druck p0 und der Temperatur T0 durch eine Düse in eine
Kammer mit dem Druck pk entlassen. Eine Überschallexpansion stellt sich dann
ein, wenn gilt p0/pk ³ 2. In
Vorwärtsrichtung haben die Teilchen Überschallgeschwindigkeit, die innere
Temperatur oder thermische Bewegung der Teilchen ist sehr gering und hängt von
den Dimensionen (Durchmesser der Düse) sowie von den Druck- und
Temperaturverhältnissen der Expansionszone ab. Aus der Strahlverteilung hinter
der Expansionszone schält man einen Atomstrahl gewünschter Winkeldivergenz aus.
Die innere Temperatur eines solchen Strahles kann weniger als 1 K betragen.
Experimentell aufwendigere Methoden zur Erzeugung von
Atomstrahlen sind Ladungsübertrag, Sputtern und Photodetachment. Ersteres
geschieht, indem ein wohlkollimierter positiv geladener Ionenstrahl durch eine
Gaszelle geschickt wird. Bei nahezu gleichem Ionisationspotential von Ionen und
Gasatomen ist Elektroneneinfang der dominante Prozess, und somit wird ein
Grossteil der Ionen neutralisiert. Auf diese Weise lässt sich beispielsweise ein
Strahl aus Wasserstoffatomen erzeugen, indem ein Protonenstrahl durch eine mit
Krypton gefüllte Zelle geleitet wird.
Bei der Sputterquelle wird eine Oberfläche mit einem
energiereichen Ionenstrahl beschossen (Energie im keV-Bereich). Die dabei
entstehenden gesputterten Partikel sind zu 90 % neutrale Teilchen mit Energien
zwischen 0,1 und 100 eV.
Photodetachment negativer Ionen erlaubt die Erzeugung
eines Atomstrahles, indem ein negativ geladener Ionenstrahl mit einem
Laserstrahl hoher Intensität gekreuzt wird. Der Wirkungsquerschnitt für diesen
Prozess ist niedrig, so dass ein starkes Photonenfeld notwendig ist. [IR]
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