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Chemorezeption
Wahrnehmung
von gelösten oder gasförmigen chemischen Substanzen in der Umwelt durch
biologische Organismen mit Hilfe von Chemorezeptoren. Zur Chemorezeption im
engeren Sinne werden die chemischen Sinne bei mehrzelligen Tieren und beim
Menschen gezählt. Die Basis der Chemotaxis (Bewegungsreaktion einzelner Zellen
auf chemische Reize) sowie des Chemotropismus der Pflanzen und sessilen Tieren
(Wachstumsbewegungen als Reaktion auf chemische Reize) kann im weiteren Sinne
zur Chemorezeption gezählt werden.
Beim Empfang chemischer Signale sind drei Aspekte zu
untersuchen:
1) Der Signalstoff muss aufgefangen und spezifischen
molekularen Rezeptorstrukturen zugeleitet werden. Diese Rezeptoren sind in der
Regel zellmembranständig und von ihrer Struktur her Proteine, welche mit einer
spezifischen Bindungsregion für den Botenstoff ausgestattet sind, ähnlich wie
Immunoglobuline für das Antigen oder Enzyme für ihr Substrat. Man geht davon
aus, dass zu jeder wahrgenommenen Klasse chemischer Reize eigene
Rezeptormoleküle gehören.
2) Das stoffliche Signal muss in ein physiologisches Signal
umgesetzt werden. Das Rezeptormolekül verändert sich durch die Erkennung des
chemischen Reizes. Dadurch werden zelluläre Reaktionsprozesse ausgelöst.
Bei hochentwickelten Tieren verändert sich die
Ionendurchlässigkeit der Zellmembran der Rezeptorzelle. Dieses Signal wird über
Nervenbahnen an das Gehirn weitergeleitet und dort ausgewertet.
3) Der Signalstoff muss wieder desaktiviert und vom
Bindungszentrum des Rezeptormoleküls entfernt werden. Dazu gibt es wie meistens
in biologischen Systemen mehrere Möglichkeiten. Der Botenstoff kann sich durch
Diffusion wieder entfernen, wenn genügend Zeit oder Umgebungsvolumen zur
Verfügung steht. Konvektionen im Umgebungsmedium können ihn vom Bindungsort
wegspülen.
Schliesslich kann das enzymatisch aktive Rezeptormolekül den
Botenstoff chemisch verändern und damit seine Bindungsaffinität herabsetzen,
oder die Zelle liquidiert den Rezeptor-Botenstoff-Komplex und ersetzt ihn durch
einen freien Rezeptor.
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