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Erdbebenvorhersage und Erdbebengefährdung
Umwelt- und Geophysik, im
strengen Sinne die (kurzfristige) Prognose von Ort, Stärke und Zeit von
Erdbebenereignissen in engen Grenzen. Die wissenschaftliche Vorhersagbarkeit von
Erdbeben setzt voraus, dass vor dem Eintritt des Ereignisses signifikante
Vorläufererscheinungen auftreten. Es besteht kein Zweifel und es ist auch
physikalisch einleuchtend, dass es durch das nichtlineare Verhalten von
Gesteinskörpern beim Aufbau tektonischer Spannungen im Herdgebiet vor Erreichen
der kritischen Bruchspannung zu Vorbeben oder anomalen Veränderungen der
elastischen, magnetischen und elektrischen Eigenschaften, zu geodätisch
messbaren Bodendeformationen, Grundwasserspiegelschwankungen, Radon- und anderen
Gasexhalationen kommen kann. Sie werden jedoch nur sehr unregelmässig und selten
in klarer Form beobachtet, und trotz sehr grosser Anstrengungen sind noch keine
zweifelsfreien Vorhersagen gelungen. Derzeit muss das Problem der systematischen
Kurzfristvorhersage von Erdbeben als ungelöste und wegen der Komplexität von
Struktur und stofflichen Eigenschaften der Erdkruste möglicherweise auch als
unlösbare Aufgabe bezeichnet werden.Mittel- bis Langfristprognosen für
Zeiträume von Monaten und Jahren stützen sich auf räumlich oder zeitlich
veränderliche Muster in der regionalen Seismizität. So beobachtet man vor einem
starken Erdbeben oft eine sog. seismische Lücke, d.h. einen Zeitraum relativer
seismischer Ruhe im zukünftigen Herdgebiet. Je stärker das zukünftige Beben,
desto länger andauernd und desto ausgedehnter die Lücke. Auch wurde zyklisches
Auftreten von Erdbeben beobachtet, jedoch ist die Reproduzierbarkeit meist
schlecht. Es gibt etwa 20 erfolgreiche Langfristvorhersagen. Dem steht
allerdings ein Vielfaches an falschen Prognosen gegenüber.
Realistische Bemühungen konzentrieren sich deshalb auf
zeitunabhängige oder zeitlich wenig veränderliche statistische Aussagen über
die »seismische Gefährdung« eines Gebiets.
Das seismische Risiko für einen Standort ist definiert als das
Produkt aus seismischer Gefährdung und der »Verletzbarkeit« eines Objekts.
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