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Frenkel

Biographien, Jakow Iljitsch, *10.2.1894 Rostow am Don, †23.1.1952 Leningrad. Sowjetischer theoretischer Physiker, schloss die Universität Petrograd (heute St. Petersburg) 1916 ab, 1918-1921 Universität der Krim, seit 1921 staatliches physikalisch-technisches Institut in Petrograd/Leningrad und Professor am dortigen Polytechnischen Institut, 1930/31 Gastprofessur an der Universität von Minnesota. 1929 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Akademie der Wissenschaften der Sowjetunion gewählt.

Er war einer der Pioniere der Quantentheorie des festen und flüssigen Aggregatzustandes, 1924 erste Quantentheorie der Elektronenleitfähigkeit in Metallen, 1926 Einführung der Löcher im Kristallgitter als Quasiteilchen und Beschreibung der »Frenkel-Defekte« in Kristallen. Schlug 1928 unabhängig von W. Heisenberg eine Erklärung des Ferromagnetismus auf der Basis von Austauschkräften vor und formulierte die klassische Elektrodynamik als Fernwirkungstheorie neu. 1930 begründete er mit J.G. Dorfman theoretisch, dass Ferromagnetika aus kleinen Domänen gleicher spontaner Magnetisierung bestehen.

1931 führte er die »Exzitations-Quanten« ein und gab ihnen 1936 den Namen Exzitonen, eines der ersten Quasipartikel, 1932 schlug er den Namen »Phonon« für das 1930 von I.E. Tamm eingeführte »Schall-Quantum« vor (quantisierte elastische Wellen in Kristallen).

1932 (unabhängig von anderen Autoren) Theorie des Metall-Halbleiter-Kontakts auf der Basis des Tunneleffekts. 1937/38 (mit T.A. Kontorowa) Theorie der plastischen Verformung von Festkörpern (Frenkel-Lösung). Frenkel begründete die moderne Theorie des flüssigen Aggregatzustandes auf Grundlage der Annahme, dass das Verhalten von Flüssigkeiten mehr dem von Festkörpern als dem von Gasen ähnelt, Flüssigkeiten jedoch im Gegensatz zu Festkörpern nur eine kurzreichweitige Ordnung besitzen. Eine Reihe von Veröffentlichungen hierzu ist in dem Buch »Kinetic Theory of Liquids« (Moskau 1945, Oxford 1946) zusammengefasst. 1936 und 1939 entwickelte er unabhängig von N. Bohr und J.A. Wheeler das Tröpfchenmodell des Atomkerns und eine darauf aufbauende Erklärung der Kernspaltung. [AK3]

Werke:

Lehrbuch der Elektrodynamik. 2 Bd. (Berlin, 1926-1928, Leningrad/Moskau 1934/35)
Einführung in die Wellenmechanik (Berlin, 1929)Wave Mechanics (2 Bände) (Oxford 1932-34, Leningrad 1933, New York 1950)
Kinetic Theory of Liquids (Moskau 1945, Oxford 1946)
Wwedenie w Teoriju Metallow (Introduction to the Theory of Metals) (Leningrad, 1948, 1950) Statistical Physics (Moskau-Leningrad, 1948)
Sobranie Isbrannych Trudow (Selected Works) 3 Bände. Moskau-Leningrad 1956-1959

Sekundärliteratur:

Viktor J. Frenkel: Yakov Ilich Frenkel. His Work, Life and Letters. (Basel: Birkhäuser 1996)
J.I. Frenkel. Wospominaniia, pisma, dokumenty. 2. Aufl. (Leningrad: Nauka, 1986)

 

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