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Tschernobyl

Kernphysik, Ort in der Ukraine, der durch einen Unfall im Block 4 des dortigen Kernkraftwerks in der Nacht vom 25. zum 26. April 1986 eine traurige Berühmtheit erlangte. Bei dem Reaktor handelt es sich um einen graphit-moderierten Siedewasser-Druckröhrenreaktor mit einer elektrischen Leistung von 1000 MW (Baulinie RBMK-1000).

Ursache des Unfalls war ein im Zuge einer vorgesehenen Abschaltung zu Revisionszwecken durchgeführtes Experiment mit einem der beiden Turbinen-Generator-Sätze. Ziel des Experiments war zu prüfen, ob bei einem Stromausfall und der damit verbundenen Abschaltung des Reaktors die mechanische Energie des Rotors so lange für den Strom-Eigenbedarf von je zwei Hauptkühlmittelpumpen ausreichen würde, bis die Notstromaggregate hochgelaufen sind, was etwa 40 bis 50 s dauert. Im Gegensatz zu vorhergehenden Tests dieser Art wurde dieser – entgegen den Betriebsbestimmungen – durchgeführt, während der Reaktor in Betrieb blieb. Zusammen mit ungünstigen reaktorphysikalischen und sicherheitstechnischen Eigenschaften dieser Reaktorlinie sowie Bedienungsfehlern wurde die folgenschwere Katastrophe herbeigeführt. Durch das fehlerhafte Absenken der Leistung geriet der Reaktor in einen instabilen Zustand. Während des Experiments kam es zu einem jähen Leistungsanstieg, der wiederum Teile des Brennstoffs zerriss, was eine Dampfexplosion nach sich zog. Durch die Energiefreisetzung wurden die Reaktordeckplatte verschoben und damit sämtliche Kühlkanäle abgeschnitten. Nach zwei bis drei Sekunden erfolgten weitere Explosionen, durch die heisse Trümmer des Reaktors aus dem zerstörten Reaktorgebäude herausgeschleudert wurden.

Abschätzungen zufolge wurde aus der Anlage über einen Zeitraum von 10 Tagen Radioaktivität von ca. 1,1-1,8 × 1018 Bq (etwa 5 % des insgesamt vorhandenen radioaktiven Inventars) freigesetzt. Die Aktivitätskonzentrationen wiesen ein Maximum bei etwa 1 700 m Höhe auf, radioaktive Stoffe wurden je nach Höhenströmungen über weite Teile Europas ausgebreitet. Die Katastrophe forderte 31 Opfer durch sofort tödliche Strahlenschäden, ein Gesamtareal von mehr als 10 000 km2 ist mit 550 kBq / m2 kontaminiert. Die Strahlenexposition der Bevölkerung lag zwischen 100-450 mSv, insgesamt wurden 135 000 Einwohner – teilweise zu spät – evakuiert. Auf Grund der langen Latenzzeit von Strahlenschäden wird das tatsächliche Ausmass des Unfalls durch Spätfolgen erst nach Jahren sichtbar werden (Strahlenwirkung, biologische, Strahlenkrankheit).

 

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