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Conceptual Art

Ende der 60er Jahre entstand in den USA eine neue künstlerische Stilrichtung, die Conceptual Art, initiiert von einer Gruppe von Künstlern um den US-Galeristen Seth Siegelaub. Der Begriff selbst wird dem Mi-nimal-Artisten Sol LeWitt (geb. 1928) zugeschrieben, der auch die »Paragraphen über die Conceptual Art« verfaßte und veröffentlichte (US-Zeitschrift »Artforum«, 1967). Statt der »hardware«, den sichtbaren und greifbaren Ergebnissen Bildender Kunst, wie Plastiken oder Gemälden, wird die »Software«, nämlich das Konzept, die Idee bereits zum Kunstwerk erhoben: »Die Concept Art hat das Konzept vom Objekt getrennt«, so formulierte es der Holländer Jan Dibbets (geb. 1941). Ein deutscher Kritiker, Georg Jappe, bezeichnet sie als »Befreiung des verdinglichten Kunstwerks durch den schöpferischen Akt«. In dem von Klaus Honnef, Bonn, veröffentlichten »Versuch einer Concept Art-Theorie« (Köln 1971) heißt es: »Sie entpuppt sich als ein Abstraktionsvorgang, dessen Radikalität in der Kunst ohnegleichen ist. Verglichen mit den Hinweisen konzeptueller Kunst, muten die Muster der bildnerischen abstrakten Kunst, selbst wenn sie sich dem Sinnesapparat vereinzelt schwer erschließen mögen, geradezu anschaulich, ja ausgesprochen sinnlich an.« Oder: ». . . eine objektlose Kunst, die von der Voraussetzung ausgeht, daß materiell bestimmbare Gegenstände nicht länger den In-tensitäts- und Wirkungsgrad künstlerischer Anstrengungen bedingen müssen.« Und umgekehrt: ». . . daß künstlerische Vorstellungen nicht länger einer konkreten Verwirklichung in objektgebundener Form bedürfen, um als künstlerische Erzeugnisse erfahrbar zu werden.« Neben anderen Medien der Kommunikation, wie Wort, Zeichnung, Film und Fernsehen, ist auch die Fotografie dokumentarisches Beweismittel für die Attraktion konzeptueller Kunst. So fotografierte der bereits zitierte Jan Dibbets in einer Düsseldorfer Galerie eine Serie von 34 Bildern, um den Zusammenhang von Raum, Zeit und Bewegung darzustellen. Sie zeigen, wie sich in der Zeit von 8 Uhr 40 morgens bis 14 Uhr 10 mittags die durch einfallendes Tageslicht erzeugten Schatten verändern. Der amerikanische Concept-Artist Joseph Kosuth (geb. 1945) fotografierte einen Stuhl, dessen Großvergrößerung (Originalgröße) er mit dem Stuhl selbst und der aus einem Lexikon entnommenen Beschreibung eines Stuhls zum »Gesamtkunstwerk« vereinte (Museum of Modern Art, New York). Klaus Rinke (geb. 1939) setzt in seinen - meist von Monika Baumgartl fotografierten - konzeptuellen Fotosequenzen Elemente der Body Art ein. Klaus Rinke inszeniert sich selbst. Der eigene Körper, die Gestik von Armen und Händen führen zu formalen und inhaltlichen Aussagen. Zeit und Raum sind dabei durch eine Hintergrundlandschaft, den klaren Horizont, miteinbezogen. Die Aktion reflektiert nicht unmittelbar (wie ein Happening) auf die Teilnahme des Publikums, sondern allein auf die fotografisch exakte Wiedergabe des Geschehens und ihre Sinngebung in der Bildserie. Allein die Fotografien vermitteln das künstlerische Erlebnis an Dritte. Dabei wird eine deutliche und strenge Formensprache (bei Rinke: exaktes, signalhaftes Körperverhalten) zum individuellen Stilelement. In diesen, wie in anderen Beispielen der »Konzept-als-Kunst-Kunst« wird verdeutlicht, daß sich ihr in der fotografischen Realisation zahllose Variationsmöglichkeiten bieten. Sie erschöpfen sich keineswegs in Spielarten wie Land Art, Body Art oder Spurensicherung.

 

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