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Neue Sachlichkeit

Schon ehe Gustav Hartlaub, Direktor der Mannheimer Kunsthalle, den Begriff Neue Sachlichkeit prägte (1924), hatte sich in der Malerei eine Gruppe formiert, die sie in ihren Werken verwirklichte. Sie verstanden sich als Protagonisten einer Gegenbewegung zu den Kubisten, Abstrakten und Expressionisten. Als Vertreter der Neuen Sachlichkeit gelten jene Maler, die auf der Wiederentdeckung und starken Betonung des Gegenständlichen bestehen, wie Alexander Kanoldt (1881-1939) oder Georg Schrimpf (1889 bis 1938). Zugerechnet werden auch Otto Dix (1891-1969), Anton Rädersdbeidt (1892-1970), George Grosz (1893 bis 1952). Der Realismus, den sie in ihren Werken vertreten, zeichnet sich durch analytische Interpretation einer vielschichtigen Umwelt aus, vor allem aber durch kritisches Engagement, das in satirischer Uberzeichnung die gesellschaftlichen Zustände anprangerte. In der ’Fotografie zeigte sich Neue Sachlichkeit in den Arbeiten bekannter Fotografen, die in den 20er Jahren gegen den Romantizismus der Kunstfotografie und gegen die experimentelle Fotografie, wie sie am Bauhaus unter Laszlo Moholy-Nagy (1895-1946) und Herbert Bayer (geb. 1900) praktiziert wurde, opponierten. Sie muß außerdem als Reaktion auf verschiedene experimentelle Stilrichtungen gesehen werden, die im Gefolge des Dadaismus, Surrealismus entstanden, sowie als Opposition zu den Arbeiten der Foto- und Lichtmonteure John Heartfield (1891-1968) und Man Ray (1890-1977). Zum Pionier der Neuen Sachlichkeit entwickelte sich Albert Ren-ger-Patzsch (1897-1966), der mit seinem Bildband »Die Welt ist schön« gleichzeitig das »Musterbuch einer neuen fotografischen Ästhetik« schuf. »Überlaßt die Kunst den Künstlern«, so formulierte er seine Absage an alle fotografische Künstelei, an fotografisches Romantisieren, Manipulieren, an überzogenen Subjektivismus. Doch während die Bilder eines Otto Dix zur anklagenden, zur karikierenden Gesellschaftskritik wurden, beriefen sich die Fotografen der Neuen Sachlichkeit auf die Aussage des »meisterlichen Abbildes der Natur«. Als wichtige Vertreter müssen der Amerikaner Paul Strand (geb. 1890), der unabhängig vonRenger-Patzsch eigene Wege versachlichter Fotografie fand, und vor allem Karl Blossfeldt (1865-1932) angesehen werden. Letzterer nannte seine Bilder »Urformen der Kunst« (1920) und wies damit auf den künstlerischen Anspruch seiner Fotografien hin. Eine Sonderstellung nimmt August Sander (1874 bis 1964) ein, dessen umfangreiches Porträtschaffen gleichfalls der Neuen Sachlichkeit zugerechnet wird. Sein Buch »Antlitz der Zeit« (1929), eine »Sammlung ebenso präziser wie unprätentiöser Photographien«, wie Thomas Mann diese Porträts nannte, gilt als Werk von fotogeschichtlichem Rang.

 

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