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Impressionismus

Inspiriert vom Impressionismus der Malerei entwickelte sich gegen Ende des 19. Jh. der fotografische Impressionismus. Die Fotografen empfanden es als durchaus legitim, die Wiedergabe einer Landschaft oder eines Stillebens im Rahmen ihrer damals beschränkten aufnähme- und verarbeitungstechnischen Möglichkeiten mit impressionistischen Elementen anzureichern. Wie den Malern ging es ihnen darum, ihre subjektive Empfindung z. B. bei der Betrachtung einer Landschaft, die Einmaligkeit des flüchtigen optischen Eindrucks, die Wirkung des Gegenstandes im Licht, eben das Atmosphärische darzustellen. Es waren dies Gestaltungselemente, die der »angeborenen« Eigenschaft der Fotografie, sachlich abzubilden, widersprachen. Da den Fotografen Farbe, wichtigstes Element impressionistischer Malerei, zunächst nicht zur Verfügung stand, mußten ihre Impressionen auf andere Weise zum Ausdruck kommen: z. B. durch Strukturierung der Bildoberfläche, durch Tonen und Erzeugung bestimmter Lichteffekte. Auch erzielte man durch Abschwächen einzelner Details oder durch Eliminieren der Schatten jenen weichen, flirrenden Lichteindruck, der für impressionistische Darstellungen typisch ist. Bereits 1853 bezeichnete der Fotograf William J. Newton (gest. 1869) in der ersten Sitzung der Fotografischen Gesellschaft London die »geschnittene Schärfe und letzte Präzision« einer Aufnahme als unkünstlerisch. Er empfahl fotografische Motive etwas außerhalb der Schärfenebene aufzunehmen. Das Aufkommen der Edeldruck-erfahren bot den Fotografen die Möglichkeit weitgehend subjektiver Eingriffe. Vor allem war es der um die Jahrhundertwende in Mode gekommene Gummidruck, der den Einsatz von Rötel, Kohle, Kreide und Stift gestattete. Nun war es möglich, feine, auch farblich abgestufte Tonungen zu erzielen. So zeigen die im Gummidruck reproduzierten Ballettszenen von Robert Demachy (1859-1936) verblüffende Ähnlichkeit mit denen des Malers Edgar Degas (1834-1917), und einige Landschaften von Heinrich Kühn (1866 bis 1944) oder Gertrude Käsebier (1852 bis 1934) unterscheiden sich in ihrer Stimmung nur wenig von den Bildern Renoirs (1841-1919). Mit der Erfindung des Autochromeverfahrens (Kornrasterverfahren, später Linsenraster- und Linienraster-verfahren) boten sich erstmals Möglichkeiten, farbige, dem spätimpressionistischen Pointillismus (Paul Signac [1863 bis 1935] und Georges Seurat [1859 bis 1891] ähnliche Auflösungen der Farbflächen in eine Kornstruktur zu erreichen. Diese Technik wird auch heute wieder praktiziert. Mehr denn je spielen impressionistische Darstellungsweisen in der modernen Lichtbildkunst eine Rolle. Die raffinierten Farbverarbeitungsverfahren der Fotografie mit ihren experimentellen Seitenrichtungen wie Tontrennung, Rastertechnik, Unschärfeneffekten aller Art, mit dem Einsatz von Tricklinsen, Farbfiltern und Weichzeichnern etc. gestatten den sehr freien Umgang mit der Farbe. Unter den zeitgenössischen Arbeiten finden sich viele Beispiele für Motive, die zu Recht impressionistisch genannt werden können. Erwähnt seien nur einige Fotografen: Peter Cornelius (1913-1970), Erwin Fieger (geb. 1928), Ernst Haas (geb. 1921), Andre Martin (geb. 1928), Walter Boje (geb. 1905), Horst H. Baumann (geb. 1919).

 

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