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Gleitlinien
Festkörperphysik, 1) bei
einem ebenen Spannungsproblem Linien, deren Tangentenrichtung in jedem Punkt
mit einer der beiden zu diesem Punkt gehörenden Gleitrichtungen übereinstimmt.
Gleitrichtungen sind gegenüber den Hauptschubspannungslinien um 45° gedreht.
Zu jedem Punkt laufen zwei zueinander senkrechte Gleitlinien,
die als erste und zweite oder a- und b-Gleitlinien bezeichnet werden. Die orthogonalen Kurvenscharen
dieser a-
und b-Gleitlinien
bilden das sogenannte Gleitlinienfeld oder Gleitliniennetz (Abb. 1). Die
Verformung des Materials erfolgt entlang dieser Linien und ist an der
Oberfläche teils mit blossem Auge, im Detail nur mit dem Elektronenmikroskop
sichtbar.
Gleitlinienfelder sind für zahlreiche technologische Probleme
bestimmt worden und sind für die Lösung von Deformationsproblemen im Rahmen der
Gleitlinientheorie von besonderer Bedeutung. Geschlossene Lösungen sind nur für
einige spezielle Fälle bekannt, z.B. für ebenes Fliesspressen ohne Wandreibung
und mit 50 % Dickenabnahme (Abb. 2).
2) die bei der Verformung von Kristallen an der Oberfläche
teils mit blossem Auge, im Detail jedoch nur mit dem Elektronenmikroskop sichtbaren
Gleitspuren entlang der Gleitebenen.
Gleitlinien sind in der Regel nicht die Spuren einheitlich
abgeglittener Gebiete, sondern setzen sich aus einzelnen Gleitstufen zusammen.
So beträgt beispielsweise die Abgleitung auf einer einzelnen solchen Stufe bei
Aluminium zwischen 70 und 120 nm. Die feinen Gleitlinien von 20 nm und weniger,
wie sie besonders bei kleinen Abgleitungen gefunden werden, werden in der
Literatur häufig als Elementarstruktur der Gleitlinien bezeichnet.
Die Gleitlinienbildung hängt von der Kristallstruktur und der
Verfestigung ab. Je nach Verfestigungsbereich treten gleichmässige oder
unregelmässige, lange oder kurze, stärker oder schwächer sichtbare, dichtere
oder weniger dichte Gleitlinien auf. [CS2]

Gleitlinien 1: Element einer Gleitlinienschar eines ebenen,
ideal-plastischen Spannungszustandes. Die durch die a- und b-Gleitlinien gekennzeichneten
Gleitrichtungen sind die Linien extremaler Schubspannung k
von überall gleichem Betrag Y / 2 (Y = Fliessspannung). Sie sind gegenüber den
Hauptspannungsrichtungen um 45° gedreht.

Gleitlinien 2: Gleitlinienfeld beim ebenen Fliesspressen mit 50
% Dickenabnahme. Im Fächer OAB wird der Werkstoff plastisch umgeformt. Die Zone
OBC ist plastifiziert, aber starr. Gleiches gilt für die Zonen unterhalb der
Symmetrieachse. Die restlichen Zonen sind nicht plastifiziert.
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