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Magnetohydrodynamik
Plasmaphysik,
Magnetohydrodynamik, MHD, Theorie des Verhaltens elektrisch leitender
Flüssigkeiten in Anwesenheit eines Magnetfeldes. Auch Plasmen, bei denen Stösse
und somit dissipative Effekte (Dissipation) eine geringe Rolle spielen, lassen
sich durch die Magnetohydrodynamik beschreiben. Die Entwicklung der
Magnetohydrodynamik begann in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit
theoretischen Arbeiten über das Erdinnere, über die Sonne und über das Plasma
im interstellaren Raum. Die experimentelle Erforschung magnetohydrodynamischer
Phänomene begann mit Untersuchungen an Quecksilber, später rückten dann
Versuche an Plasmen in den Vordergrund, insbesondere im Rahmen der Fusionsforschung.
Die Gleichungen der Magnetohydrodynamik verknüpfen den Gradienten des
hydrostatischen Drucks Dp mit der Massendichte r,
der mittleren makroskopischen Geschwindigkeit v und
dem Magnetfeld B:


(Kontinuitätsgleichung)

(Bewegungsgleichung)
mit

in einfachster Näherung.
Die Leitfähigkeit s ist eine Materialkonstante und wird in
der idealen Magnetohydrodynamik beliebig gross. In diesem Fall ergibt sich eine
enge Kopplung von Magnetfeld und Materie in der Art, dass das Medium bei allen
seinen Bewegungen das Magnetfeld mitführt. Man spricht davon, dass der
magnetische Fluss bzw. die Feldlinien im Medium »eingefroren« sind. Anschaulich
kann man sich also das Medium durch das Magnetfeld repräsentiert denken. Die
Magnetfeldlinien kann man sich ihrerseits als gespannte Gummischnüre
vorstellen, die sich wegen des hydrostatischen Drucks gegenseitig abstossen. Die
Alfvén-Wellen als charakteristische Bewegungsform der Magnetohydrodynamik
werden in diesem Bild besonders anschaulich. Bei endlicher Leitfähigkeit ist
das Magnetfeld nicht starr eingefroren und kann aus dem Medium
herausdiffundieren. Das grössenordnungsmässige Verhältnis der beiden Terme auf
der rechten Seite der ersten MHD-Gleichung gibt ein Mass dafür, wie stark das
Magnetfeld eingefroren ist, es wird als magnetische Reynoldszahl bezeichnet.
Die Magnetohydrodynamik bildet die Grundlage für die Theorie des magnetischen
Plasmaeinschlusses, der in der Fusionsforschung von entscheidender Bedeutung
ist. Stationäre Lösungen der MHD-Gleichungen, bei denen die Zeitableitungen
verschwinden, ergeben ein magnetohydrodynamisches Gleichgewicht. Eine
Gleichgewichtskonfiguration genügt aber noch nicht zum Plasmaeinschluss; hierfür
ist ausserdem magnetohydrodynamische Stabilität erforderlich. Neben ihrer
Bedeutung für die Fusionsforschung spielt die Magnetohydrodynamik auch zur
Beschreibung von astrophysikalischen Plasmen eine grosse Rolle. Als bisher
einzige technische Anwendung der Magnetohydrodynamik wandelt der MHD-Generator
mit besonders hohem Wirkungsgrad thermische Energie in elektrische Energie um.
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