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Kernspintomographie
Laboratoriumsmethoden
und -geräte, Methode zur nichtinvasiven Aufnahme von Schnittbildern auf Basis
der Kernspinresonanz (NMR, nuclear magnetic resonance), die vor allem in der
Medizin und in den Biowissenschaften, zunehmend auch in den Material- und
Ingenieurwissenschaften, genutzt wird. Die Idee der Kernspintomographie ist
fast so alt wie die Kernspinresonanz selbst. Die ersten erfolgreichen
NMR-Bildgebungsexperimente wurden 1972 von Damadian (FONAR) und 1974 von
Lauterbur vorgestellt. Weitere wichtige Meilensteine waren die Einführung der
schnellen EPI-Methode (EPI) 1977 durch Mansfield sowie die Entwicklung der
funktionellen Bildgebung (funktionelle NMR-Bildgebung) und der NMR-Mikroskopie
(Callaghan 1991).Grundprinzip: Im Gegensatz zu optischen bildgebenden
Verfahren, bei denen die Auflösung durch die jeweils benutzte Wellenlänge
begrenzt wird, ist das Funktionsprinzip der Kernspintomographie unabhängig von
der Wellenlänge. Statt dessen wird die Auflösung in der Kernspintomographie
durch die örtlich begrenzte Einstellung der jeweiligen Resonanzbedingungen
erreicht; dies ist auf drei Weisen möglich:
· durch
Anregung nur in einem bestimmten Bereich der Probe (FONAR, STRAFI,
Schichtgradient, siehe Abb. 1);
· durch
eine ortsabhängige Resonanzfrequenz w = w0 + gGLxL (Frequenzkodierung),
erzeugt von einem während der Signalaufnahme anliegenden Lesegradienten GL,
was zu einem »NMR-Spektrum« führt, aus dem die Projektion der Verteilung der
Kernspins auf die Gradientenrichtung durch Fouriertransformation gewonnen
werden kann;
· durch
eine ortsabhängige Resonanzfrequenz w = w0 + gGPxP (Phasenkodierung) durch
einen für eine Zeit tP
zwischen Signalanregung und Auslese angelegten Phasengradienten GP, womit man eine
ortsabhängige Phasenverteilung Dj = gGPxPtP der Resonanzsignale
erhält.
Die Kernspintomographie kennt mehrere Bildgebungsverfahren.
Beim Standard-Verfahren der Fourier-Bildgebung wird die Bildinformation, also
die Spinverteilung r(x,y), in den Raumrichtungen, in
denen Frequenz- oder Phasenkodierung stattgefunden hat, aus den registrierten
Resonanzsignalen (freier Induktionszerfall, FID) S(kx,ky)
durch eine komplexe Fourier-Transformation

rekonstruiert (ki
= gGixiti).
Der Unterschied zwischen Frequenzkodierung und Phasenkodierung liegt darin, dass
bei der Phasenkodierung die unterschiedlichen k-Werte
durch mehrfache Wiederholung der Bildgebungssequenz mit unterschiedlichen
Werten des Phasengradienten zustande kommen, während bei der Frequenzkodierung
der k-Wert in Richtung des Lesegradienten über die
Auslesezeit wächst. Eine typische Sequenz für die zweidimensionale Bildgebung
ist in Abb. 2 dargestellt. Die dritte Raumdimension kann über einen weiteren
Phasengradienten in die Bildgebung integriert werden; dafür kann auf den
Schichtgradienten verzichtet werden.
Neben der Fourier-Bildgebung sind noch eine Reihe weiterer
Bildgebungsverfahren in Gebrauch. Bei der Projektionsrekonstruktion wird auf
Phasengradienten verzichtet und die Bildebene in Form von Projektionen auf
einen schrittweise rotierten Lesegradienten abgetastet (siehe Abb. 3). STRAFI
und FONAR: bei diesen beiden Methoden wird nicht in homogenen, sondern
inhomogenen Magnetfeldern gearbeitet, in denen die Resonanzbedingung nur in
einem kleinen Gebiet der Probe erfüllt ist und diese relativ dazu bewegt wird.
Diese Verfahren arbeiten folglich im realen Raum und kommen ohne
Fourier-Transformation aus. »Schnelle« Bildgebungsverfahren arbeiten
normalerweise auch nach dem Fourier-Prinzip, kombinieren aber teilweise mehrere
Auslesevorgänge mit einer Anregung oder arbeiten mit modifizierten
Anregungssequenzen.
Bei allen Schritten einer NMR-Bildgebungssequenz können
Bildartefakte entstehen. Die wichtigsten sind Partialvolumen-Effekte
(»Verschmieren« des Bildes bzw. Überlagerung verschiedener Strukturen bei
Variationen der Probenstruktur innerhalb der angeregten Schicht), chemische
Verschiebungsartefakte (vor allem beim Lesegradienten, siehe Abb. 4) und
Flussartefakte (beim Phasengradienten). Kompliziertere Artefakte können durch
das Zusammenspiel von Diffusion und lokalen Suszeptibilitätsunterschieden in
der Probe entstehen (NMR-Diffusions- und Bewegungseffekte).Anwendungsgebiete:
Die bekannteste Anwendung der NMR-Bildgebung liegt in der medizinischen
Diagnostik (siehe Abb. 5 und Abb. 6, Kernspintomograph). Daneben wird sie
jedoch auch zunehmend in der biologischen Grundlagenforschung sowie für die
Untersuchung von Proben aus den Materialwissenschaften, der chemischen
Prozesstechnik und der Lebensmitteltechnologie angewandt. Die speziellen
Vorteile der Kernspintomographie für alle diese Bereiche sind vor allem die
Zerstörungsfreiheit sowie die Vielfalt an möglichen Kontrastparametern, die mit
ein und derselben Methode untersucht werden können.
Im Gegensatz zur medizinischen Diagnostik sind bei den
nichtmedizinischen Anwendungen der NMR (aber auch bei speziellen medizinischen
Anwendungen wie z.B. in der Histologie) die untersuchten Proben deutlich
kleiner. Für eine brauchbare Bildauflösung müssen deshalb die einzelnen
Bildelemente wesentlich kleiner gewählt werden als in den üblichen
diagnostischen Anwendungen. Je nach Probengrösse und Bildauflösung spricht man
dann von Mikroimaging (Auflösung unter ca. 100 mm) und Miniimaging (Auflösung im Bereich
zwischen 100 und 500 mm).
Im Vergleich zur medizinischen Bildgebung gibt es hier vor allem zwei
zusätzliche Probleme: das schlechtere Signal / Rauschverhältnis und zusätzliche
Effekte durch Diffusion, wenn die Grösse der Volumenelemente in den Bereich der
Diffusionslängen während der Echozeit kommt (vor allem bei Mikroimaging mit
Auflösungen <
20 mm).
Wesentliche Entwicklungstendenzen in der Kernspintomographie
waren und sind immer noch die Beschleunigung der Bildaufnahme, die Steigerung
der Auflösung und die Erschliessung neuer Kontrastmechanismen (z.B. durch
Polarisationstransfer). Im medizinischen Bereich wird zur Zeit die
interventionelle Kernspintomographie etabliert, bei der Operationen an einem im
Kernspintomographen befindlichen Patienten durchgeführt werden. Für derartige
Eingriffe werden zur Zeit neue, sogenannte »offene« Tomographen entwickelt
(siehe Abb. 7). Ausserdem wird völlig nichtmagnetisches OP-Besteck benötigt.
Vor allem bei schnellen Bildgebungsverfahren und
Polarisationstransfermethoden in der Kernspintomographie kommt es zu einer
beträchtlichen Hochfrequenzbelastung. Dies stellt insbesondere bei
medizinischen Anwendungen ein Problem dar, da gesundheitliche Schäden für den
Patienten nicht ausgeschlossen werden können (Elektromagnetische
Verträglichkeit, Elektrosmog). Für den erlaubten Hochfrequenzleistungseintrag
gibt es in den meisten Ländern gesetzliche Grenzwerte; in Deutschland ist
beispielsweise ein maximaler HF-Leistungseintrag von 2 W / kg im untersuchten
Organbereich erlaubt.

Kernspintomographie 1: Wirkungsweise eines Schichtgradienten:
auf Grund der ortsabhängigen Resonanzfrequenz regt ein Hochfrequenzimpuls mit
einer bestimmten Bandbreite nur eine Scheibe der Probe an.

Kernspintomographie 2: Einfache Gradientenecho-Sequenz für die
NMR-Bildgebung. Der Schichtgradient liegt in z-Richtung,
der Lesegradient in x-Richtung. HF:
Hochfrequenzkanal.

Kernspintomographie 3: k-Raum-Abtastung
bei der Projektionsrekonstruktionsmethode

Kernspintomographie 4: Verschiebungsartefakte des Fettsignals
aus dem Knochenmark in einem menschlichen Finger; rechtes Bild:
Verschiebungsarktefakt korrigiert.

Kernspintomographie 5: Kernspintomographische Aufnahmen einer
weiblichen Brust. Das grosse Bild ist ohne Kontrastmittel aufgenommen, das
kleine ist ein Differenzbild nach Kontrastmittelgabe und zeigt deutlich einen
Tumor in der linken Brust.

Kernspintomographie 6: Funktionelle NMR-Bildgebung am
menschlichen Gehirn: Dem anatomischen Bild überlagert ist die Signaländerung
durch die neuronale Aktivität bei der Ausführung einer Handbewegung. Die
Aktivität ist im Motorcortex konzentriert.

Kernspintomographie 7: offener Tomograph.
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