A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

 

 

astronomische Observatorien

Sternwarten, alle Einrichtungen oder Institute, die der astronomischen Beobachtung dienen. Durchgeführt werden die Beobachtungen mit astronomischen Instrumenten. Zumeist handelt es dabei um Teleskope, in der modernen Hochenergie-Astrophysik auch um Teilchendetektoren. Teleskope unterscheidet und bezeichnet man einerseits nach den Wellenlängenbereichen, in denen sie eingesetzt werden, als Radio-, optische-, Infrarot- und Röntgenteleskope. Andrerseits werden sie nach Art ihres Einsatzes als Einzelteleskope oder Apertursynthese-Teleskope (sog. Arrays) bezeichnet (Apertursynthese). Im Gegensatz zu den Einzelteleskopen werden bei letzteren mehrere Teleskope gleichzeitig zur Beobachtung desselben Objekts verwendet. Die Beobachtungen sind dann beispielsweise mit Zeitmarken versehen und werden auf Datenträgern gespeichert, damit sie anschliessend zusammengeführt werden können. In modernen optischen Arrays können die Beobachtungen auch direkt überlagert werden. Die Bestandteile von Arrays können sich an einem Ort befinden, wie etwa die Teleskope des VLT (Very Large Telescope) oder die Radioteleskope des VLA (Very Large Array), sie können aber auch weit voneinander entfernt angeordnet sein, wie etwa beim VLBA (Very Long Baseline Array) oder bei den Teleskopen des WET (Whole Earth Telescope).

In der Tabelle wird eine Reihe von Beispielen für Observatorien und die zugehörigen Teleskope genannt. Dabei wird auch deutlich, dass der Begriff des Observatoriums heute weiter zu fassen ist als in vergangenen Jahrhunderten. Ein Stichwort in diesem Zusammenhang ist Fernbeobachtungsbetrieb: Ein Observatorium kann seine Teleskope an einem weit entfernten Standort mit günstigeren Beobachtungsbedingungen installiert haben, wie etwa die Teleskope der Europäischen Südsternwarte (ESO), die sich in La Silla in Chile befinden, während der Standort des Instituts selbst Garching bei München ist. Ein anderes Beispiel ist das Space Telescope Science Institute (STScI), das mit dem Weltraumteleskop Hubble Beobachtungen durchführt.

Astronomische Observatorien: Einige moderne Grossobservatorien (IR = Infrarot, NIR = nahes Infrarot, FIR = fernes Infrarot, UV = Ultraviolett, NUV = nahes Ultraviolett, XUV = extremes Ultraviolett).

Name und Abkürzung

Betreiber/Standort

Baujahr

Teleskoptyp (Durchmesser)

Spektralbereich

Forschungsbereiche

Internet-Adresse

AAT (Anglo-Australian Telescope)

Siding Spring

(Australien)

1971

erdgebundenes Teleskop (3,9 m); UK-Schmidt-

Spiegel (1,2 m)

optischer Bereich

optische Astronomie, Himmelsdurch-
musterungen

http://www.aao.gov.au/aaohomepage.html

http://www.roe.ac.uk/ukstu/ukst.html

Arecibo Observatory

Arecibo

(Puerto Rico)

1963

unbewegliches Radioteleskop
(304,8 m)

Radiobereich

Sonnensystem (Radar), Radioastronomie, atmosphärische Physik

http://www.naic.edu/

Cerro Tololo Interamerican Observatory

Cerro Tololo (Chile)

 

erdgebundene Teleskope
(0,6-4 m Spiegel)

optischer Bereich, NIR

optische Astronomie

http://www.ctio.noao.edu/

CGRO (Compton Gamma Ray Observatory)

Compton Observatory Science Support Center

(USA)

Start 1991

Weltraumteleskop, Teilchendetektoren

Gammastrahlung (20 keV-30 GeV  Bereich)

Röntgenobjekte, Gammaquellen

http://cossc.gsfc.nasa.gov/

COBE (Cosmic BackgroundExplorer)

NASA Goddard Space Flight Center

(USA)

Start 1989

Weltraumteleskop

FIR (1,25-240 mm)

kosmische Hintergrundstrahlung, IR-Astronomie

http://www.gsfc.nasa.gov/astro/

copbe/cobe_home.html

DSAZ (Deutsch-Spanisches Astronomisches Zentrum)

Calar Alto

(Spanien)

 

ergebundene Teleskope (1,23 m, 2,2 m, 3,5 m; 1,5 m)

optischer Bereich, NIR

Sonnensystem, Sterne, interstellare Materie, Galaxien

http://www.mpia-hd.mpg.de/

CAHA/index.html

ESO (European South Observatory)

La Silla

(Chile)

 

erdgebundene Teleskope
(0,5-3,6 m), NTT (New Technology Telescope)

optischer Bereich, NIR

Südsternhimmel; Sterne, interstellare Materie, Galaxien

http://www.eso.org

GALLEX

Gran Sasso

(Italien)

1991

Gallium-Neutrino-
Detektor

Neutrinos mit einer Energie grösser als
233 keV

Sonnenneutrinos

http://mvxgl1.fis.utovrm.it/

Gemini

Mauna Kea (Hawaii, USA) und Cerro Pachon (Chile)

im Bau, Fertigstellung ca. 1998-2000

zwei erdgebundene Teleskope (jeweils
8 m Spiegel mit adaptiver Optik)

optischer Bereich, NIR

Sternentstehung und -entwicklung, Galaxien, interstellare Materie

http://www.ast.cam.ac.uk/

Gemini

HST (Hubble Space Telescope)

STSCI (Space Telescope Science Institute)

Start 1990

Weltraumteleskop (2,4 m Spiegel)

NUV, optischer Bereich, NIR (115-1000 nm)

hochaufgelöste abbildende Astronomie und Spektroskopie

http://www.stsci.edu/top.html

Hipparcos

ESA

Start 1989

Weltraumteleskop

optischer Bereich

Astrometrie

http://astro.estec.esa.nl/

SA-general/Projects/Hipparcos/

hipparcos.html

ISO (Infrared Space Observatory)

ESA

Start 1996

Weltraumteleskop

IR (2,5-240 mm)

Sonnensystem, interstellares Medium, zirkumstellare Hüllen, Galaxien, Kosmologie

http://isowww.estec.esa.nl/

Kitt Peak National Observatory

Kitt Peak

(Arizona, USA)

1958

erdgebundene Teleskope (0,9-4 m), Vakuum-Sonnen-

teleskop

optischer Bereich

optische Astronomie, Himmelsdurchmusterungen, extrasolare Begleiter, Sonnenastronomie, Helioseismologie

http://www.noao.edu/kpno/

kpno.html

LBT (Large Binocular Telescope)

Mount Graham

(Arizona, USA)

im Bau seit 1994

zwei ergebundene Teleskope (jeweils 8,4 m Spiegel, analog zu einem 11,8 m Spiegel)

optischer Bereich, NIR

Kosmologie, Stern- und Planetenentstehung, extrasolare Begleiter

http://lbtwww.arcetri.astro.it/

Mauna Kea

Mauna Kea

(Hawaii, USA)

 

erdgebundene Teleskope, u.a.: IRTF (NASA Infrared Telescope Facility,
3 m), CFHT (Canada-France-

Hawaii-Telescope, 3,6 m), UKIRT (United Kingdom Infrared Telescope, 3,8 m), Gemini Telescope (8 m)

optischer Bereich, IR, Sub-Millimeter-
Bereich

optische, IR- und Sub-Milimeter-Astro-
nomie, Sternentstehung, Sternentwicklung, interstellare Materie, Galaxien

http://www.ifa.hawaii.edu/

Mount Wilson Observatory

Mount Wilson

(Kalifornien, USA)

1904

erdgebundene Teleskope (1,5 m und 2,5 m Spiegel), Sonnentürme

optischer Bereich

optische Astronomie, Helioseismologie

http://www.mtwilson.edu/

NGST (Next Generation Space Telescope)

NASA

in Planung

Weltraumteleskop (4-8 m Spiegel)

optischer Bereich, NIR (0,6-20 mm)

Entwicklung von Galaxien, Kosmologie, interstellare Materie

http://ecf.hq.eso.org/ngst/ngst.

html

Observatorio del Teide

Teneriffa

(Spanien)

 

erdgebundene Teleskope, Vakuum-Sonnen-

teleskop

optischer Bereich, IR

optische Astronomie, Infrarotastronomie, Sonnenphysik, Helioseismologie

http://www.iac.es

Radioteleskop Effelsberg

MPIfR (Max-Planck-Institut für Radioastronomie) Bonn

(BRD)

 

erdgebundenes vollbewegliches Radioteleskop
(100 m)

Radiobereich

Radioastronomie, Supernova-Überreste, Pulsare

http://www.mpifr-bonn.mpg.de/

effberg.html

ROSAT (Roentgensatellit)

MPE (Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik) Garching

(BRD)

Start 1990

Weltraumteleskop

Röntgenbereich (2,4-0,12 keV, 0,21-0,05 keV)

Himmelsdurchmusterung, Punktquellen im XUV und Röntgenbereich

http://www.rosat.mpe-garching.mpg.
de

SIRTF (Space Infrared Teselscope Facility)

JET (Jet Propulsion Laboratory) NASA

(USA)

in Planung

Start ca. 2002

Weltraumteleskop (gekühlter 0,85 m Spiegel)

IR (2-180mm)

protoplanetare Scheiben, Braune Zwerge, Galaxien, frühes Universum

http://sirtf.jpl.nasa.gov/sirtf/home

SOHO (Solar and Heliospheric Observatory)

ESA

(Europa),NASA

(USA)

Start 1995

Weltraumteleskop

UV, XUV, Teilchenzähler

Heliosphäre, Chromosphäre, Korona, Sonnenwind

http://sohowww.nascom.nasa.

gov/

Super Kamiokande

Tokyo

(Japan)

1991-1996

Wasser-Cerenkov Detektor

Neutrinos mit einer Energie grösser als
7,5 MeV

Neutrino-
Beobachtungen

http://www.phys.washington.edu/
~superk

VLA (Very Large Array)

NRAO (National Radio Astronomy Observatory)

(USA)

1973-1981

27 erdgebundene Radioteleskope (jeweils 25 m)

Radiobereich (300-50 000 MhZ)

hochauflösende Radioastronomie

http://www.nrao.edu/doc/vla/

html/VLAhome.shtml

VLBA (Very Long Baseline Array)

NRAO (National Radio Astronomy Observatory)

(USA)

 

zehn erdgebundene Radioteleskope (jeweils 25 m)

Radiobereich

Radioastronomie, Geotektonik

http://www.nrao.edu/doc/vlba/

html/VLBA.html

VLT (Very Large Telescope)

ESO (European Southern Observatory) Paranal

(Chile)

im Bau

vier erdgestützte Teleskope (jeweils
8 m Spiegel, analoge Fläche eines 16 m Teleskops)

NUV, optischer Bereich, IR (bis ca. 25 mm)

optische Astronomie, NIR-Astronomie

http://www.eso.org/observing/

vlt/

WET (Whole Earth Telescope)

internationale Kollaboration

1996

diverse erdgebundene Teleskope weltweit

optischer Bereich

optische Astronomie

http://www.physics.iastate.edu/

wet/

 

Die Geschichte der Observatorien ist gleichzeitig eine Kulturgeschichte der Naturwissenschaft und Technik und reicht bis in die Vorzeit zurück. Steinkreise wie das britische Stonehenge deuten an, dass bereits in der Frühzeit astronomische Beobachtungen durchgeführt wurden, vermutlich um besondere Zeitpunkte des Jahres, wie etwa Sommer- und Wintersolstitien, festzustellen. Archäologische Funde in aller Welt zeigen darüber hinaus, dass astronomische Beobachtungen in allen Hochkulturen zur Festlegung des Kalenders sowie zu astrologischen Zwecken einen festen Platz hatten. Sternwarten im heutigen Sinne, findet man jedoch erst seit dem 7. vorchristlichen Jh. Die ältesten bekannten Observatorien im Mittelmeerraum entstanden etwa 150 v. Chr. auf Rhodos und 100 n. Chr. in Alexandria. Hier befanden sich bereits Wasseruhren, Armillarsphären und Gnomone, mit denen die Positionen der Himmelskörper vermessen wurden. Die arabische Kultur pflegte die griechische Astronomie und gründete mehrere Observatorien. Das älteste, dessen Instrumente heute noch existieren, entstand 1259 bei Maragheh im Iran. In seiner Blütezeit befanden sich dort 15 Astronomen, und es besass eine Bibliothek mit 400000 Bänden. Erst ab dem 15. Jh. entstanden auch in Mitteleuropa Observatorien, wie etwa die Uranienburg von T. Brahe (1576), die französische Nationalsternwarte in Paris (1671) und das Royal Greenwich Observatory (1675). Der Beginn der modernen Astronomie fällt in Europa mit der Erfindung des Fernrohrs Anfang des 17. Jh. zusammen, das bald fester Bestandteil in allen Observatorien wurde. Die Aufgaben der modernen Observatorien bestanden anfangs überwiegend in der Messung von Sternpositionen und der Erstellung von Sternkatalogen, die den jungen Kolonialreichen eine genaue Navigation auf hoher See ermöglichten. Die Entwicklung der Naturwissenschaften und der Technik führte zu immer grösseren und leistungsfähigeren Teleskopen, die immer genauere Beobachtungen ermöglichten, wodurch immer wieder neue Himmelskörper entdeckt wurden. Deren Beobachtung und physikalische Deutung wurden bald Hauptaufgabe der Astronomie.

Heute werden Observatorien abseits grosser Städte und nach Möglichkeit in grosser Höhe errichtet. Forderungen bei der Auswahl der Standorte eines Observatoriums sind unter anderem stabile Wetterlagen mit wenig Regen- oder Wolkentagen, günstige atmosphärische Bedingungen, also eine ruhige Atmosphäre über dem Teleskop, und trotz grösserer Entfernungen zum nächsten Ort eine verkehrsgünstige Lage. Gründe für den Auszug der Observatorien aus den Städten sind die Luft- und Lichtverschmutzung, welche die Durchsicht des Himmels herabsetzen, der durch Streuung des Stadtlichts am Staub und Wasserdampf in der Atmosphäre hervorgerufene hellere Himmelshintergrund sowie die ebenfalls durch die Verschmutzung verursachten störenden Absorptionslinien. In einigen tausend Meter Höhe ist die Lufthülle zudem relativ dünn, wodurch natürliche atmosphärische Einflüsse wie Szintillation und Absorption geringere Auswirkungen zeigen. Dies erleichtert die Beobachtung lichtschwacher Objekte und Beobachtungen im Infrarotbereich.

Ideale Sichtbedingungen herrschen im Weltraum. Das Fehlen einer turbulenten Atmosphäre über der Optik eines astronomischen Satelliten ermöglicht Beobachtungen mit dem theoretischen, nur durch Beugung an den optischen Elementen begrenzten Auflösungsvermögen der eingesetzten Teleskope. In zunehmendem Masse finden die Entwicklungen der aktiven Optik und der adaptiven Optik Einsatz in Grossteleskopen; lediglich durch Beugung begrenzte Beobachtungen werden so auch vom Erdboden aus möglich.  [GR1]

 

<< vorhergehender Begriff
nächster Begriff >>
astronomische Konstanten
astronomische Sonden und Satelliten

 

Diese Seite als Bookmark speichern :

 

Weitere Begriffe : Korrekturfaktorprodukt | Ra | Schleppachse

Übersicht | Themen | Unser Projekt | Grosse Persönlichkeiten der Technik | Impressum | Datenschutzbestimmungen